In Memoriam Hermann Buhl
1924 - 1957

Am Rande des Möglichen



Innsbruck, Österreich. Rechts: www.as-verlag.ch; Links: Absturzstelle Buhls auf dem überwächteten Gipfelgrat der Chogolisa. Quick, 1957/Diemberger.

Der Tiroler HERMANN BUHL gilt anfang der 50er Jahre weltweit als der bahnbrechende Bergsteiger. Seine Taten beeinflussen die moderne Alpinistik bis heute. Er ist seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Der Buhl-Riß an der Cima-Canali zeigt den Stil des Freikletterers, die Besteigung des Broak Peak den Höhenbergsteiger der Zukunft. Seine großen alpinen Taten zwischen Mauk Westwand und Nanga Parbat sind bleibender Beweis seines Könnens, seiner Begeisterung und seines Einsatzes.

"Keine Persönlichkeit aus der Welt des Bergsteigens hat mich als Bub so fasziniert wie Hermann Buhl. Er galt als kompromisslos, ehrgeizig, ohne Maß, nur Ziel. Buhl war in seinem Denken und seinen Tun futuristisch. Wäre Hermann Buhl vierzig Jahre später geboren worden," so schreibt REINHOLD MESSNER, "er wäre heute mit Sicherheit der führende Sportkletterer und ein klassischer Bergsteiger ohne gleichen." So ist auch der Titel des Buches "Hermann Buhl - Kompromisslos nach oben" (1997) unmissverständlich. Nur jene, die selbst die schwierigsten seiner Routen klettern, die selbst Achttausender bezwingen, können diese Leistungen nachvollziehen und beurteilen, vorausgesetzt natürlich, dass sie Hermann Buhl in seine Zeit stellen. 

1953 betritt Hermann Buhl als Erster den Gipfel des jahrzehntelang umkämpften Nanga Parbat (8.125 m), den Schicksalsberg deutscher und österreichischer Bergsteiger. Sein beispielloser Alleingang ohne künstlichen Sauerstoff sichert ihm Weltruhm. 1957 bricht Hermann Buhl wieder in die höchsten Bergen der Welt auf: Mit Kurt Diemberger, Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller in den Karakorum. Im Westalpenstil ersteigen sie ohne Hochträger und Sauerstoffgeräte den 8.047 Meter hohen Broad Peak. Am 27. Juni 1957 stürzt Hermann Buhl an der Chogolisa (7.654 m) tödlich ab. 

MESSNER: "Was wenn Hermann Buhl 75 Jahre alt geworden wäre? Mit Sicherheit hätte er den Alpinismus weiter geprägt, viel mehr, als wir ahnen können ..."

"Best of" Hermann Buhl
1940 Grubreisenturm
"Auckenthalerriss", Brandjoch Südgrat, Schüsselkarspitze "Schindlerweg", Predigtstuhl "Dülfer Westwandl"
1941 Scharnitzspitze "Hannemann", Zettenkaiser Ostwand, Predigtstuhl Nordkante, Großer Möseler "Firndreieck", Zsigmondyspitze Südwestkante, Hornspitzen Überschreitung
1942 Riepenwand Westwand (Buhls erster VI. Grad), Lalidererspitze "Auckenthaler", Praxmarerkarspitze "Auckenthaler-Schmidhuber" (2. Begehung), Schüsselkarspitze "Herzog-Fiechtl" (1. Alleinbegehung)
1943 Maukspitze Westwand (1. Begehung), Fleischbank "Dülferriss", Totenkirchl "Dülfer" (1. freie Begehung)
1944 Nordeck "Laichner-Fischer", Große Ochsenwand Gerade Nordostkante
1945 Martinswand "Südwandriss" (2. Alleinbegehung), Hechenberg "Auckenthaler"
1946 Große Zinne Nordwand, Lalidererspitze "Schmid-Krebs", Rofanturm Westkante (1. Begehung), Oberrheintalschrofen Südpfeiler (1. Begehung)
1947 Speckkarspitze "Buhl-Durchschlag" (1. Begehung), Lalidererspitze "Direkte" (1. Gesamtdurchsteigung), Lamsen-Hüttenturm Nordwand (1. Begehung) und Nordostkante (1. Begehung), Rotwandlspitze Nordwand (1. Begehung), Gipfelstürmernadel Südkante (1. Begehung), Rofan-Spitze "Buhl Dach" (1. Begehung)
1948 Nordeck Nordostwand (1. Alleinbegehung), Lalidererspitze Nordkante (1. Winterbegehung), Großer Solstein Nordpfeiler (1. Alleinbegehung), Schüsselkarspitze "Direkte" (1. Winterbegehung), Fleischbank-Ostwand "Dülfer" (1. Winter Alleinbegehung), Maukspitze Westwand (1. Winterbegehung)
1949 Ciavazes "Micheluzzi" mit "Buhl-Ausstieg" (1. Begehung), Aiguille-Blanche Nordwand (2. Begehung)
1950 Piz Bernina Biancograt (im Auf- und Abstieg), Marmolada Südwestwand (1. Winterbegehung), Cima Canali "Buhl-Riss" (1. Begehung), Petit Dru "Allain-Riss" (4. Begehung), Grandes Jorasses Walkerpfeiler (7. Begehung), Aiguilles des Chamonix (1. Gesamtüberschreitung), Fleischbank Südostverschneidung (1. Winterbegehung)
1951 Schrammacher Nordwestwand (1. Winterbegehung), Fussstein Nordkante (1. winterbegehung)
1952 Piz Badile Nordostwand (1. Alleinbegehung), Eiger Nordwand (8. Begehung), Cima d´Ambiez "Fox-Stenico" (1. Alleinbegehung), Schüsselkarspitze Südverschneidung (Alleinbegehung)
1953 Watzmann Ostwand (1. Winter Alleinbegehung), Steinkar-Umrahmung (1. Winterbegehung), Pflerscher Tribulaun Südwand (2. Begehung), Chongra Peak (6.450 m), Rakhiot Peak Gipfelnadel (7.070 m), Nanga Parbat (8.125 m, 1. Besteigung)
1954 Schärtenspitze Westgrat (Alleinbegehung), Hoher Göll Westwand (Alleinbegehung)
1955 Zwölfer Nordkante (Alleinbegehung), Grand Capucin Ostwand, Aiguille Noir Westwand, Dent-du Geant Südwand, Monte Rosa Ostwand, Fleischbank Südostverschneidung (2. Alleinbegehung)
1956 Große Bischofsmütze Nordwand (neue Variante), Lalidererspitze "Auckenthaler" (1. Alleinbegehung), Lalidererspitze Nordkante (Alleinbegehung), Petit Dru Westwand (6. Begehung), Mont Blanc du Tacul "Gervasutti-Couloir" (2. Alleinbegehung), Aiguille-du-Moine "Contamine" (1. Alleinbegehung), Aiguille-des-Pelerins Südwestkante (1. vollständige Begehung im Auf- und Abstieg), Mont Blanc Brenvaflanke
1957 Broad Peak (8.047 m, 1. Besteigung)
(Quelle: Messner, 2000: Hermann Buhl. Kompromisslos nach oben)

DAS BUCH: Hermann Buhl – Am Rande des Möglichen
Der Zürcher
AS Verlag hat die vergriffenen Texte von Hermann Buhl in einer großzügig mit historischen Bilddokumenten ausgestatteten Neuausgabe zugänglich macht. Aus Buhls Tourenbüchern und seinen Beiträgen für Zeitschriften haben die Herausgeber Horst Höfler und Reinhold Messner einen möglichst originalen "Buhl" rekonstruiert, der unmittelbar und packend schildert und nicht – wie das nur mehr antiquarisch erhältliche "Achttausend drüber und drunter" – von Kurt Maix bearbeitet wurde. Gerade anhand der Tourenbücher lässt sich der Aufbruch des aus bescheidenen Verhältnissen stammenden jungen Innsbruckers verfolgen, sein Aufstieg zum bahnbrechenden Bergsteiger der Fünfzigerjahre, dessen Kletterkönnen legendär war. Die Beschreibungen der Erstbegehung der Maukspitze-Westwand oder seines Alleingangs durch die Badile-Nordostwand, der ausführliche Bericht von der Nanga-Parbat-Erstbesteigung 1953 – all dies ist spannende, aber auch zutiefst menschliche und empfindsame Lektüre auf den Spuren eines echten Abenteurers, dem bis heute der Ruf des Draufgängers vorauseilt. Abgerundet wird das Bild Hermann Buhls durch die biografischen Notizen der Herausgeber und durch Beiträge ehemaliger Tourenpartner. Als besondere Zugabe ist Buhl nicht nur im Original zu lesen, sondern auch zu hören: Auf der dem Buch beiliegenden CD berichtet er vom Nanga Parbat – bevor Kurt Diemberger ergreifend schildert, wie er Buhls Absturz an der Chogolisa erlebte.

Hermann Buhl – Am Rande des Möglichen
272 Seiten, 139 Abb. ein- und vierfarbig
17 x 24 cm, Leinen mit Schutzumschlag
Hör-CD mit historischen und aktuellen Tondokumenten
ISBN 3-905111-88-8
CHF 49.80/Euro 29,80
www.as-verlag.ch

 



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