PAUL PREUSS: "Mit künstlichen Steighilfen habt ihr die Berge in ein mechanisches Spielzeug umgewandelt. Schließlich werden sie kaputtgehen oder sich abnutzen, und euch bleibt dann nichts anderes übrig, als sie wegzuwerfen." (Quelle: Messner, 1986: Freiklettern mit Paul Preuß) Dr. Preuß war die herausragende Bergsteigerpersönlichkeit knapp vor dem ersten Weltkrieg. Nicht nur seine Aktivität, vor allem seine Aussagen haben ihn überlebt. Heute, im Aufwind der Freikletterbewegung, ist er aktueller als je zuvor. REINHOLD MESSNER: "Niemand hat klarer als Preuß das 'by fair means' vorgeklettert. Er darf als der geistige Vater des heutigen 'free climbings' angesehen werden." Dennoch - oder gerade für Österreich - wird ihm usland eine größere Verehrung zuteil als in seiner Heimat. Die Italiener haben die Kleinste Zinne "Torre Preuß" genannt und die in den 80er Jahren aus dem Yosemite in die Alpen zurückkehrende Freikletterbewegung hat dieses österreichische Kletterphänomen zu ihrem Leitbild gemacht. Preuß wird 1886 in Altaussee geboren, wächst in Wien auf und studiert in München. Er tritt als Erster für ein "by fair means" im Bergsteigen ein. Mit 27 Jahren stürzt er bei einem Alleingang an der Manndlkogel-Nordkante im Dachsteinmassiv tödlich ab. In wenigen Jahren steht er auf mehr als 1.200 Gipfeln. Seine bedeutendsten Erstbegehungen sind Grohmannspitze Südostwand, Crozzon-di-Brenta Nordostwand, Guglia-di-Brenta Ostwand. Er ist mit seinen Gedanken und alpinen Wünschen seiner Zeit weit voraus. Für seine Zeit meistert er den höchsten Schwierigkeitsgrad in reiner Freikletterei. Er verwendet nie einen Haken. Selbst das Abseilen lehnt er kompromisslos ab. Er vertritt die Meinung, jeder Kletterer müsse die Stelle, die er im Aufstieg bewältigt hat, auch im freien Abstieg klettern können. Er gilt als "bester Alpinist" seiner Zeit. Die Preußschen Grundsätze (1911) 1. "Bergtouren, die man unternimmt, soll man nicht gewachsen, sondern überlegen sein." 2. "Das Maß der Schwierigkeiten, die ein Kletterer im Abstieg mit Sicherheit zu überwinden im Stande ist und sich auch mit ruhigem Gewissen zutraut, muss die oberste Grenze dessen darstellen, was er im Aufstieg begeht." 3. "Die Berechtigung für den Gebrauch von künstlichen Hilfsmitteln entsteht daher nur im Falle einer unmittelbar drohenden Gefahr." 4. "Der Mauerhaken ist eine Notreserve und nicht dir Grundlage einer Arbeitsmethode." 5. "Das Seil darf ein erleichterndes, niemals aber das alleinseligmachende Mittel sein, das die Besteigung der Berge ermöglicht." 6. "Zu den höchsten Prinzipien gehört das Prinzip der Sicherheit. Doch nicht die krampfhafte, durch künstliche Hilfsmittel erreichte Korrektur eigener Unsicherheit, sondern jene primäre Sicherheit, die bei jedem Kletterer in der richtigen Einschätzung seines Könnens zu seinem Wollen beruhen soll." Die Verschandelung seiner Erstbegehung am Donnerkogel mit einem Stahlseil ist geradezu eine Vergewaltigung der Preuß´schen Grundsätze und daher umso schwerwiegender! Die treffenden und weitsichtigen Aussagen Paul Preuß´ haben auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren, sondern sind brisanter denn je. Preuß schreibt 1912 (!): "Wenn der Alpinismus eine Zukunft hat, in der er auch gegen Drahtseilbahnen und Luftschiffahrt bestehen soll, dann wird sie im alpinen Sport liegen, den wir hochhalten, weil wir ihn lieben." Die Erstbegehungen << zurück |