Auf den Spuren von Inuit & Wikingern, die vor mehr 1.000 Jahren via Grönland nach Amerika aufbrachen...

Fotos: Martin Schwarzl & Greenland Tourism/Jesper Kunuk Egede

Von Gerald Lehner, der über die ARCTIC TEAM CHALLENGE 2002 für den ORF aus Grönland berichtete...

WARUM IMMER STEIL UND SENKRECHT UND TECHNISCH IMMER SCHWIERIGER? Dass mehr TEAMWORK, AUSDAUER und LANGSTRECKEN neue Perspektiven für Bergsport und Werbemärkte bringen könnten, wird in der Diskussion oft vergessen.

In Grönland hat sich im Küstengebirge des Distrikts Ammassalik ein Langstreckenrennen etabliert, das über fünf Tage läuft. Bei keinem anderen Bewerb weltweit sind Berg- und Wassersport über so lange Distanzen und in so großer Abgeschiedenheit kombiniert. ARCTIC TEAM CHALLENGE. Ohne intensive Zusammenarbeit der Teilnehmer geht hier nichts mehr.


Was passiert da?
Die ARCTIC TEAM CHALLENGE 2002 (ATC) ist heuer schon gelaufen. Die Herausforderung war groß. Wer paddelt schon oft bei nasser Kälte über 35 km zwischen Eisbergen, die größer sind als Supertanker? Nachdem am Tag zuvor 35 km auf dem Mountainbike in schwierigem Terrain sowie ein anschließender Berglauf über drei Gipfel bei Nebel und Nieselregen zu absolvieren waren? Solche Zustände verschärfen das Rennen gewaltig. Bei klarem Wetter ist dagegen mit wesentlich mehr Genuss zu rechnen.

Interesse von Wirtschaft und Sponsoren: "Fast ein Volkssport..."
Während klassischer Bergsport und Expeditionen beim Sponsoring nicht selten auf dem letzten Loch pfeifen, gibt es bei speziellen Langstreckenrennen in gebirgiger Wildnis kaum Geldmangel. Zum Beispiel: SALOMON, RED BULL und ADIDAS investieren bereits viel in diesen neuen Sektor. Eigene Produkte enstehen - siehe aktuelle Backbag- und Schuh-Kollektionen für Berglauf, die ultraleicht und sehr robust sind, damit sie Tage und Wochen aushalten. Fernsehstationen und Publikum kommen zu guten Bildern und Eindrücken, wenn sich Checkpoints und Etappenziele an attraktiven Standorten befinden:

"Während im deutschsprachigen Raum das Adventure Racing noch ziemlich unbekannt und in Medien nur wenig präsent ist, erfährt Frankreich einen gewaltigen Boom. Auch in Skandinavien und Großbritannien sowie in Neuseeland und Australien entwickeln sich Outdoor-Mehrkämpfe fast zum Volkssport", berichtet das Fachmagazin PASSION.

Teil der Zukunft im Alpinismus?
Beobachter gewinnen den Eindruck, dass Fetischisten ständig erhöhter Schwierigkeit in Fels und Eis diese Zukunft fast ausschließlich in der - ihnen so vertrauten - Senkrechten sehen. Wahrnehmung und Weltbilder in Europa und Nordamerika sind vom klassischen Bergsteigen in den Alpen bestimmt, das zum Himalaya und andere Gebirge im Lauf der historischen Entwicklung überschwappte. Dass Gebirge in Kombination mit kalten und heißen Wüsten sowie Küstenregionen auch andere Herausforderungen bieten, wurde im deutschsprachigen Europa auf breiter Basis lange übersehen. Bei uns wird über Berge und Wildnis weiterhin diskutiert wie vor 100 Jahren: Es geht hauptsächlich um Schwierigkeiten in der Senkrechten und irgendwelche Erstbegehungen. Das führt zu einer Inflation an Routen und tollen Kletterbildern, die wenig Neues bieten. Entsprechend finster sieht vielerorts der Werbe-Markt aus.

Teamwork ist die Grundlage...
Kritiker des Genres finden, manche Extrembergsteiger seien ausgesuchte Egoisten und verbissene Einzelkämpfer, die kaum ein Gespür für soziale Dinge und Zusammenarbeit hätten. Ob böse Klischees wie diese stimmen oder nicht, sei dahingestellt. Tatsache ist: Bei Adventure Racing in den Bergen sind hohe bis extreme Ausdauer, körperliche und mentale Widerstandsfähigkeit, Vielseitigkeit, Navigation und perfektes Teamwork entscheidende Kriterien. Dinge, die in Zeiten zunehmender Spezialisierung und Monopolisierung beim Klettern - einige Alternativen vorzeichnen. Sie denken nun sicher an bereits bestehende multidisziplinäre Rennen - wie den RED BULL DOLOMITENMANN in Lienz?

"Das ist methodisch ein erster Ansatz. Die Zukunft liegt jedoch in mehrtägigen Aufgaben, wo alle Teilnehmer alle Disziplinen durchmachen müssen. So gesehen ist auch der RED BULL DOLOMITENMANN etwas für Waisenknaben unter der Sonne", schmunzelt ein ehemaliger Teilnehmer aus dem Salzburgischen, der neuerdings in die Sahara oder in die Arktis ausweicht. Die ARCTIC TEAM CHALLENGE ist eines der härtesten Rennen der anderen und neuen Art. Historischer Hintergrund ist der ehemalige Lebensstil von Ureinwohnern, die extreme Ausdauer sowie hervorragendes Orientierungsvermögen zu Lande, im Gebirge und auf See brauchten.

Österreicher fielen heuer auf die Nase
Die physisch austrainierten Österreicher gingen nach dem Gesamtsieg im Vorjahr heuer als Favoriten in die ARCTIC TEAM CHALLENGE. Seine körperliche Überlegenheit verspielte dieses Team KTM-Generali heuer schon beim Berglaufen im ersten Drittel - durch kleinere Navigationsfehler, die sich summierten. Mit ihrer Endzeit wären die Finisher Erwin und Tobias Reinthaler (Bad Hofgastein) sowie Siegfried Hohenwarter (Kötschach Mauthen) Dritte geworden, wurden jedoch wegen eines fehlenden Gefährten aus der Wertung genommen. Dänemark verzeichnete einen Doppelsieg, immerhin hatten auch schon deren Wikinger-Vorfahren vor mehr als 1.000 Jahren erfolgreich von Island über Grönland nach Amerika navigiert.

Wollen auch Sie mitmachen?
Es wird Zeit, dass sich Athleten aus den Reihen des Österreichischen Alpenvereins oder der Bergrettungsdienste in den Bundesländern beteiligen. Wie steht es mit deutschen AV-lern und Bergwacht-Spezialisten?

Wetter 2002: Schluss mit lustig...
Im Gegensatz zum Juli 2001, wo bei der ATC fast nur klares Wetter herrschte, war heuer exakte Orientierung im dichten Nebel bei Regen und Schneetreiben ein entscheidendes Kriterium. Alle Teams hatten deshalb enorme Zusatzbelastungen im ohnehin monströsen Programm hinzunehmen - über insgesamt 260 Kilometer und fünf Tage in arktischer Wildnis.

Das österreichische Team KTM-GENERALI kam am 26. Juli 2002 um 4.00 Uhr früh mit drei Mann ins Ziel - außer Konkurrenz. Ekkehard Dörschlag aus St. Johann im Pongau, bester Mountainbiker des Feldes, hatte nach dem Paddeln auf einem vereisten Fjord wegen schwerer Unterkühlung das Rennen vorzeitig beendet.

salzburg.ORF.at betrieb während des Rennens auf dem Internet eine eigene Plattform mit NEWS, BACKGROUNDS, BILDER-GALERIEN.

Klicken Sie hier: ORF-News zur ARCTIC TEAM CHALLENGE 2002

Offizielle Website der ATC in Englisch

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