Biografische Forschung von Gerald Lehner
In seiner alten Heimat Österreich war dieser Amerikaner lange vergessen. In den USA ist er ein gefeierter Filmer, Produzent und Skipionier: Wussten Sie, dass der Regisseur von "Daktari" aus Salzburg stammt und den ersten US-Film über Pearl Harbor produzierte? Otto Lang (Jahrgang 1908) arbeitete bei 20th Century Fox mit den Schauspielern James Stewart und James Mason. Er wurde vier Mal für Oscars nominiert.
Vorgeschichte einer "Entdeckung" aus europäischer Sicht
Washington State, Pacific Northwest, USA: Es gibt auf der ganzen Erde keinen besseren Blueberry Pancake als in dem kleinen Cafe von Tacoma. Alles begann mit einem Frühstück, zu dem Tom Hornbein eingeladen hatte. Der Höhenmediziner aus Seattle wurde für den Österreichischen Rundfunk interviewt und erzählte über seine erste Überschreitung des Mount Everest, bei der er 1963 mit einem Gefährten das Biwak auf 8.400 Metern unter offenem Himmel überlebt hatte. Die Bergsteiger wurden später zu John F. Kennedy eingeladen. Und nun hatte Hornbein noch einen Tipp, der uns auf die Spur brachte: "Well, als Salzburger solltet ihr Otto in Seattle besuchen. Der würde sich freuen."
Von Salzburg über den Arlberg auf den Mount Rainier - Seattle
Wer Langs langes Leben beleuchtet, kommt an name dropping kaum vorbei. Diese Biografie ist ein Spagat zwischen Sport, alpiner Lebenskultur, Pop, Film- und Zeitgeschichte auf beiden Kontinenten. Skifahren war früher die Domäne der Prominenten und Reichen. Lang hatte es 1918 als Zehnjähriger auf dem Salzburger Mönchsberg probiert - mit viel zu langen Latten aus Militärbeständen. Als Teenager bestieg er mit Fellen oft den viel höheren Gaisberg. Otto Lang wuchs mit den legendären Brüdern Hauser von der Zistel-Alm auf, die in den USA später ebenfalls Karriere machten und denen Chronisten einige Kontakte nur Mafia nachsagten.
Die Buben veranstalteten auf dem Gaisberg wilde Rennen. Lifte gab es nicht, und Skilauf war Teil des Winterbergsteigens. 1928 absolvierte Lang bei Peter Rachacher senior auf dem Arthurhaus in Mühlbach am Hochkönig seine staatliche Prüfung. Dann arbeitete er als Skilehrer bei Hannes Schneider in St. Anton am Arlberg. Der pflegte Kontakte in alle Welt und lehnte nichts mehr ab als die beschränkten Weltbilder des Nationalsozialismus. Der Tiroler bezahlte seine Opposition später teuer, emigrierte in die USA und konnte sein Leben retten.
Schneider hatte Lang zu ersten Jobs an der Ostküste ermutigt, lange bevor die Nazis kamen. 1935 zog es den Salzburger in den Nordwesten - auf den schneereichsten Berg der Erde, den Mount Rainier bei Seattle, wo das noble Berghotel Paradise Inn stand. Die Gegend erinnert stark an den Hochkeil bei Mühlbach. Dort gründete Lang die erste Skischule Amerikas, die alpine Technik professionell unterrichtete. 1936 publizierte er sein Lehrbuch. Es geriet zum Bestseller und löste in Amerika einen Boom aus.
Gymnastiklehrer des Schriftstellers Stefan Zweig
Otto Lang deklarierte sich früh als Gegner der Nationalsozialisten und war dabei von Stefan Zweig beeinflusst. Der Schriftsteller lebte bis 1938 in einer Villa auf dem Salzburger Kapuzinerberg. Ab 1926 trainierte ihn der junge Lang als Gymnastiklehrer. Zweig war konditionell schlecht beisammen und hatte enorme gesundheitliche Probleme. Dass ihn die Nazis später vertrieben, enteigneten und de facto in den Selbstmord trieben, las Lang in amerikanischen Zeitungen. Er kam vor dem Zweiten Weltkrieg noch mehrmals nach Hause, um seine Eltern in der Steingasse 18 zu besuchen. Der Vater war Offizier, stammte aus Österreich, diente in Bosnien und war nach dem Ersten Weltkrieg in Salzburg gestrandet. Er leitete ab 1920 das Postamt auf dem Residenzplatz und wollte, dass auch Otto pragmatisierter Postler werde. Schon jobbte der nach der Realschule auf dem Salzburger Bahnhofspostamt, eher er seinen eigenen Weg ging.
Mit mehr als 90 noch auf Ski
Otto Lang ist heute 94. Noch immer strahlt er Dynamik aus, und wie muss er gewirkt haben, als er dreißig war? Nach der Operation seiner Hüfte im letzten Jahr war seine größte Sorge, ob er wohl je wieder Ski fahren könne? Er kann. Und er sei auch sonst passabel beisammen, sagt Lang bei unserem Spaziergang an einem Strand nahe West Seattle: "Ich arbeite noch immer." Er schreibt, fotografiert, sortiert sein riesiges Archiv und bereitet Promotion-Touren für sein jüngstes Buch vor: "Around the World in 90 Years - Images from My Lifes`s Journey."
Lang erzählt von Darryl F. Zanuck, den ehemaligen Chef von 20th Century Fox. 1938 unterrichtete er den Filmboss und seine Familie das erste Mal, kurz nachdem Lang mit seinem Tiroler Kollegen Friedl Pfeifer die neue Skischule von Sun Valley in Idaho übernommen hatte. Der milliardenschwere Tycoon Averell Harriman hatte den noblen Ferienort an seiner neuen Northern Railroad in Richtung Pazifik gegründet: Nelson Rockefeller, Gary Cooper, Clark Gable, Claudette Colbert und Ingrid Bergman hießen die Stammgäste.
Es begann mit "Sun Valley Serenade"
Lang und Zanuck wurden Freunde. 1941 drehte Zanuck "Sun Valley Serenade". Filmmusik: Glenn Miller. Die Story hatte dramaturgisch eine Schwachstelle: Wie sollte Hauptdarsteller John Payne mit Sonja Henie verkuppelt werden? Lang betreute das Team als Fachberater und schlug vor: Ein Ski bricht, ein zweiter geht durch Unachtsamkeit verloren. Und so muss das Paar die Nacht in einer Hütte schlafen. Schnitt. Zanuck holte ihn daraufhin nach Hollywood.
Highlights des Regisseurs Otto Lang: "Call Northside 777" mit James Stewart ("Der Fall Cicero"), "Five Fingers" mit James Mason, "White Witch Doctor". Lang war Produzent der ersten US-Verfilmung des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor: "Tora! Tora! Tora!" Regie: Richard Fleischer. Lang drehte populäre Fernsehserien: "Cheyenne", "Sea Hunt", "The Man From U.N.C.L.E", "Rifleman", "Daktari". Er ist besonders stolz auf eine mehrfach preisgekrönte Produktion für ABC: "Beethoven, Ordeal and Triumph" mit dem Boston Symphony Orchestra.
Judy: Superstar aus "Daktari"
Neben der Filmerei lockten ihn noch immer Skipisten: Er unterrichtete den Shah von Persien, US-Präsident Gerald Ford und Astronauten, die den Mond betreten hatten. Laut Lang war Löwe Clarence aus "Daktari" so schlapp und treuherzig, wie er im TV aussah. Und die Schimpansin Judy, Liebling von Millionen Kindern, konnte Langeweile nie leiden: "Ich saß im Stuhl der Regie. Sie nahm oft Anlauf, machte einen riesigen Satz und hing sich an mich. Der Schwung warf uns um, und alle lachten."
Gerald Lehner bereitet mit Unterstützung von Otto Lang und der Schatzkammer Land Salzburg zwei TV-Filme für den ORF vor: Einer bringt Backgrounds des Filmschaffens, der andere eher Sportliches: Einfluss von Salzburger Pionieren auf den internationalen Wintertourismus und die Ski-Industrie.
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Diese Story erschien im Juni 2002 im Sommer-Magazin der Schatzkammer Land Salzburg als Beilage der Salzburger Nachrichten.
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